Verlässliches Lagebild trotz instabiler Verbindungen
Wie SYSTECS für PROCITEC in drei Monaten eine Webanwendung entwickelte, die Peildaten zusammenführt und bei Verbindungsabbrüchen arbeitsfähig bleibt.
Das Unternehmen
Die PROCITEC GmbH, auch genannt House of Signals, in Pforzheim entwickelt Software für Funkaufklärung und Signalanalyse. Mit der Produktsuite go2signals lassen sich Funksignale erkennen, einordnen und auswerten. Die modularen Lösungen kommen unter anderem in der Sicherheitskommunikation und bei der Überwachung des Funkspektrums zum Einsatz und wird von Behörden und Streitkräften im In- und Ausland verwendet.
Die Ausgangssituation
Ein Peiler erlaubt es zu detektieren, aus welcher Richtung ein Funksignal eintrifft. Der wahrscheinliche Standort eines Senders lässt sich jedoch erst bestimmen, wenn die Messungen mehrerer Standorte zusammengeführt werden.
Hierfür beauftragte PROCITEC uns mit der Entwicklung einer neuen Webanwendung. Der Termin für die Live-Demonstration stand bereits fest: Vom Projektstart bis zum geplanten Einsatz auf der EW Live 2026 in Tartu blieben nur drei Monate.
Dazu kam eine zentrale Anforderung: die Verlässlichkeit bei schwankender Netzqualität. Denn zwischen den Standorten ist eine durchgängige Verbindung nicht immer gewährleistet. Eine Lösung, die dauerhaftes voraussetzte, schied daher aus.
Die Lösung: Ein aktuelles Lagebild auch bei Verbindungsabbrüchen
SYSTECS entwickelte gemeinsam mit den Fachleuten von PROCITEC eine verteilte Anwendung samt Webanwendung. An jedem Standort werden Messwerte der Peiler gesammelt und einheitlich aufbereitet. Sobald es die Netzanbindung zulässt, werden die so aufbereiteten Daten zentral abgelegt und Daten andere Standorte synchronisiert. Letztlich kann so ein vollumfängliches Lagebild erstellt werden.
Die technische Umsetzung
Lokales Hosting/ Speicher
Die Messwerte der Peilauswertung werden am Standort zunächst lokal gespeichert. Dies gewährleistet, dass jeder Standort eigenständig arbeitsfähig ist. Fällt die Verbindung aus, gehen Messwerte nicht verloren: Sie werden vor Ort abgelegt und automatisch übertragen, sobald die Verbindung wieder besteht.
Zentraler Dienst
Dieser synchronisiert sich kontinuierlich mit jedem Standort und trägt die Daten aller Standorte zusammen. Reißt eine Verbindung ab, werden diese bei Wiederaufbau einer Netzwerkverbindung nachgeliefert.
Erstellung des Lagebilds
Die Webanwendung stellt in einem ersten Schritt die Messungen je Standort zu als Peilstrahlen dar. Werden an den unterschiedlichen Standorten identische Emissionen detektiert, werden diese zusammengeführt und daraus ein möglicher Standort des Emitters berechnet.
Dazu wird algorithmisch eine sogenannte Fehlerellipse berechnet, ein Genauigkeitsmaß für den berechneten Standort. Dadurch kann der Ursprung durch die Darstellung dieser Ellipsen visualisiert und abgeschätzt werden. Die Kartendarstellung ist dabei flexibel und erlaubt es Peilstrahlen, Standorte, taktische Zeichen nach APP-6 sowie ein Wahrscheinlichkeitsfeld übereinander, wahlweise in 2D oder mit Geländerelief, dem Anwender wiederzugeben. Live-Filter erlauben es, die Daten direkt auf spezifische Emissionen einzugrenzen. So kann die Lage zügig eingeordnet werden, statt einzelne Messwerte selbst zusammenzutragen.
Datenanalyse
Neben dem aktuellen Lagebild können Anwender auch im gespeicherten historischen Datenbestand recherchieren und Ergebnisse auf Karte oder in Tabellen auswerten. Die Lösung lässt sich an allen Standorten nach dem gleichen Muster ausrollen und über Konfigurationen an die jeweilige Umgebung anpassen. Auch hier erlauben umfangreiche Filter-Funktionen das gezielte Auffinden von Emissionen.
Die Zusammenarbeit
Die Entwicklung erfolgte in enger wöchentlicher Abstimmung. PROCITEC brachte die Fachkenntnis zur Peilung ein, SYSTECS die Erfahrung in der Umsetzung vernetzter Anwendungen. Vom Projektstart bis zum erfolgreichen Praxistest mit Echtzeitdaten vergingen drei Monate. Die Systemdokumentation und die Schnittstellenbeschreibungen ermöglichen PROCITEC, die Lösung eigenständig weiterzuentwickeln und zu betreiben.
Das Ergebnis: Ein verlässliches Lagebild in nur 3 Monaten
Die Anwendung wurde erfolgreich im mobilen Demo-Anhänger auf der EW Live 2026 in Tartu vorgestellt. Die Zusammenführung der Messdaten über mehrere Standorte hinweg zu einem gemeinsamen Lagebild hat im Messebetrieb mit Echtzeitdaten funktioniert.